Kathrin Christoph
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"ZAUBER DES ANFANGS"

 

– Zauber des Anfangs –

Gedanken zur Ausstellung von
Rosemarie Köster, Olbersdorf
U.R.Galerie, Dresden – 06.09.2012



Liebe Damen und Herren, verehrte Kunstfreunde,
liebe Rosemarie Köster–


… wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.



Mit diesen Gedanken von Herrmann Hesse, der 1. Strophe seines Gedichtes "Stufen" aus dem Jahre 1941, möchte auch ich Sie recht herzlich zu unserer heutigen Begegnung in der U.R.Galerie bei Ulrike Rüttinger begrüßen.

… und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

Nichts Trefflicheres kommt uns in den Sinn, betrachten wir die Arbeiten der Textilkünstlerin Rosemarie Köster aus Olbersdorf bei Zittau.

So muss es wohl sein, beginnt die Künstlerin mit ihrer Arbeit, begibt sie sich in  tiefsinnige, grazile, Freude bringende Entstehungsprozesse. Wir sehen heute vollendete Werke, die Prozesse sind abgeschlossen, und sind unweigerlich verzaubert, gefesselt und sinnen der Entstehung nach, verfolgen Wege und Worte, versuchen Transparenzen zu durchdringen, entdecken Figuren, Gegenstände, Undeutbares, erahnen Überlagerungen und sind positiv gestimmt von leuchtenden Farben und mannigfaltigen Strukturen der textilen Materialien. 

Wie lange mag die Künstlerin mit jedem einzelnen Werk beschäftigt gewesen sein – im Geiste, wie mit ihren Händen? Auch diese Vorstellung verleiht den Arbeiten eine magische Anziehung. Nichts flüchtig so Dahingeworfenes begegnet uns, sondern, ähnlich einer vielschichtigen Malerei, oder detaillierten Grafik, eine tragende, erzählende, fleißige, schöpferische Arbeit – eine Hand- und Kopfarbeit, ja, ein Teil einer ganz eigenen Kunstform, die neben Malerei, Grafik und Plastik einen bedeutenden Stellenwert einnimmt.

In einer Anmerkung des Architekten Gottfried Semper lesen wir, ich zitiere:

"Der textilen Kunst gebührt der unbedingte Vorrang, weil sie sich gleichsam als Urkunst zu erkennen gibt, dass alle anderen Künste ihre Typen und Symbole aus der textilen Kunst entlehnen, während diese selbst ganz selbstverständlich erscheint."

Für uns Betrachter ist diese Kunstform in jedem Fall  eine Bereicherung. Wir  werden reich und selig im Inneren und haben das Bedürfnis, noch mehr zu erfahren von der ruhigen, freundlichen, sensiblen, Ruhe ausstrahlenden Persönlichkeit Rosemarie Köster.
Ihr Leben ist von Anfang an eng verknüpft mit Traditionen der Oberlausitzer Heimat, aber auch beständig von einer Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem geprägt. Wollte sie zunächst in die Fußstapfen ihres Vaters treten, der als Schriftenmalermeister tätig war, so war es genau dieser, der ihre Vorliebe für die Beschäftigung mit textilen Materialien schärfer ins Bewusstsein rückte. So folgten Jahre der Ausbildung und beruflichen Tätigkeit als Gebrauchswerberin. Inspiriert durch eine Berliner Textilkunst-Ausstellung in den 70iger Jahren, begann sie ihre Träume zu leben, belegte Fernstudium und Fachseminare, arbeitete als Dozentin und Zirkelleiterin und – an ihrer eigenen, ausgeprägten Handschrift.

Ihre Bildsprache zeigt sich eigenwillig, tiefgründig und künstlerisch hochwertig, immer  in  Symbiose mit den eingesetzten Materialien, die sie auch gern selbst färbt, bedruckt und bemalt. Inspirationen findet sie im ehrlichen Miteinanderleben, in der Musik, in zeitgenössischer Kunst und Lyrik – und in der Natur. Offene Augen für Beobachtungen in Wald, Flur und Garten haben sie manches Kleinod  der Schöpfung entdecken lassen. Im Atelier liegen unter Glas gepresste Blütenarrangements und Samen, getrocknete, farbverlorene, zarte Hortensiendolden luken aus einem Glaszylinder – neue Ideen erwachsen daraus und spornen an, alles in entsprechende Formen zu bringen. Es gehört alles zusammen, es wächst alles zu einem Ganzen; ob es sich um eine Maschine- und handgestickte "Tanzgruppe" auf Oberlausitzer Blaudruck handelt, oder das "Hexeneinmaleins", eine transparente Stickerei aus Baumwolle und Organza. Im Werk "Zauber des Anfangs" aus dem Jahre 2002 finden  wir Malerei, Stickerei, Applikation und gestickte Buchstaben, die wir lesen können:

"Ich wollte die Menschen lehren, auf den Herzschlag der Erde zu hören, am Leben des Ganzen teilzunehmen und im Drang ihrer kleinen Geschicke nicht zu vergessen, dass wir nicht Götter und von uns selbst geschaffen, sondern Kinder und Teile der Erde und des kosmischen Ganzen sind."

Wieder Gedanken des verehrten Schriftstellers Hermann Hesse im Rückblick auf seinen ersten Roman "Peter Camenzind" aus dem Jahre 1904 und Worte, die der Künstlerin aus dem Herzen sprechen, die Teil ihrer Philosophie geworden sind.

Aber auch Eva Strittmatter begegnet uns mit ihrem Gedicht "Vor einem Winter". Im letzten Abschnitt darin heißt es: "Ich mach ein Lied aus Stille, ich mach ein Lied aus Licht …". Im gleichnamigen Bild von Rosemarie Köster finden wir in einer transparenten Applikation Seide, Baumwolle und Organza verarbeitet. "Ich mach ein Lied aus Stille" heißt für die Künstlerin, sich mit hellen Farben auseinander zusetzen. Die Vielfalt der verwendeten textilen Materialien trägt, ebenso wie die gestickte Ornamentik, dazu bei, die Worte des Gedichts in Bilder umzuwandeln – auf sehr beeindruckende, anrührende und sinnliche Weise. Diese Arbeit von Rosemarie Köster hat seit 2009 ihren dauerhaften und hochachtungsvollen Platz in den Städtischen Museen Zittau, in unmittelbarer Gesellschaft, des Kleinen Fastentuchs von 1573 gefunden. Kleines und Großes Fastentuch, das Große zu sehen in der Kirche zum Heiligen Kreuz in Zittau, sind Textilkunstwerke von europäischem Rang, einzigartig in Deutschland.

Ein Besuch in der Oberlausitz lohnt sich also, auch, weil derzeit und noch bis zum 16. September im Museum Zittau die Ausstellung "Gesichter und Gestalten" – Menschenbilder von der Renaissance bis zur Gegenwart zu besichtigen ist, ebenfalls mit Arbeiten von Rosemarie Köster.

Noch einmal zurück von Zittau nach Dresden.

Wir sind heute in der glücklichen Lage, in der Ausstellung "Zauber des Anfangs" ein breites und im Detail differenziertes Schaffens-Spektrum der Künstlerin einsehen zu können. Durch ihre nach wie vor aktive Tätigkeit als Zirkelleiterin ist sie Vorreiterin für intensive Auseinandersetzungen auf dem Gebiet der textilen, künstlerischen Beschäftigung. Immer wieder ist sie auf der Suche, ihre Gefühlswelten, Ansichten und Anliegen textil zu vermitteln. Sie scheut nicht vor  Experimenten; probiert, fixiert, verwirft, stellt sich kritischen Anmerkungen. Viele angearbeitete Projekte warten schon, in die geschickten, fleißigen Hände genommen zu werden. Ganz parallel wachsen dazu ihre inneren Ausdrucksformen, Ausdruckswünsche – andere, als die vor ein, zwei Jahren, sie wollen jetzt ans Licht, wollen umgesetzt werden. Die Liebe zu ganz zerbrechlichen, verletzlichen Dingen spielt dabei eine immer größere Rolle. Durchblicke, Leichtigkeit, Luftigkeit möchte sie mit ihren textilkünstlerischen Mitteln wiederspiegeln. Davon ist sie ganz gefesselt.

Davon werden wir in Zukunft mehr sehen. Deshalb lohnt es sich, Rosemarie Köster nicht aus den Augen zu verlieren – denn:

… Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

Lassen wir uns also zunächst heute verzaubern von der Ausstellung hier und jetzt, in der Freude und Hoffnung noch weitere interessante Wege der Künstlerin verfolgen zu dürfen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Kathrin Christoph

Copyright: Kathrin Christoph
 
 
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