Kathrin Christoph
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"WOLL-ZEIT"

 

– Woll-Zeit –

Gedanken zur Ausstellung von
Ilka Heimbold, Dresden
U.R.Galerie, Dresden – 19.09.2013


Liebe Damen und Herren, verehrte Kunstfreunde,
liebe Ilka Heimbold –

wir sind in der Mitte September angekommen – Sommer-Verabschiedung und Herbst-Fühlmonat. Es riecht nach Erde, gereiftem Obst, fallenden, müden Laubblättern und kühlen Nebelschwaden. Jeder Sonnenstrahl wird mit dem Gesicht gefangen und aufgesogen, der Wärme wegen und melancholische Gedanken befallen uns in Anbetracht dessen, was war und was kommt. Zum Glück erfreuen uns die zauberhaft gefärbten Blätter. Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter bunt …
Dennoch: die Tage werden kürzer und die sommerliche Unbeschwertheit und Leichtigkeit des Seins zieht sich zurück. Wir suchen die Tücher, Socken und Pullover hervor …
Die Woll-Zeit steht langsam vor der Tür.

Bei Ilka ist das anders. Da ist seit 10 Jahren immer Wollzeit -  sogar Voll-Wollzeit-Beschäftigung, denn Ilka wagte den Schritt in die Selbständigkeit als Filzerin, nachdem sie vorher Chemie in Dresden und Darmstadt studierte, promovierte und bis  2002  im Forschungszentrum Rossendorf arbeitete.
Wollzeit in Vollzeit als Mutter von 3 Kindern – Hut ab! So ist sie auch keine Unbekannte hier in der U.R.Galerie, denn sicher ist Ihnen irgendwann schon einmal klar geworden: Es muss nicht die goldene Kugel sein …

Handwerklich begabt und mit großer Liebe für geschichtsträchtige Dinge bestückt, wär ihr eigentlicher Wunsch gewesen, Archäologie zu studieren. Vergangene Kulturen, materielle  Hinterlassenschaften von Menschen, wie etwa Gebäude, Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände, Kunstwerke usw. waren schon immer bei ihr von magischer Anziehungskraft. Kein Wunder, dass wir bei Ilka Heimbold also auch auf ihren Filzarbeiten diese Zeitzeugen aus vergangenen Zeitaltern finden. Höhlenzeichnungen vermitteln etwas Ursprüngliches, Erlebtes, Geträumtes oder Gewünschtes. Vermutlich wurden auf diese Weise, in einer Art Symbolsprache, Erfahrungen, Wanderrouten von Tieren, Jagdtechniken u.a.m. für die Nachwelt festgehalten. Eine ganz natürliche Sache. Wir haben heute andere Medien dafür. Natürlich lässt sich alles auch einer kunsthistorischen Betrachtung unterziehen. Interessant ist, dass sich immer wieder Künstler verschiedener Genres mit der Höhlenmalerei auseinandersetzen und uns als Betrachter mit ihren Erkenntnissen, ihrem "Ans-Tageslicht-Bringen",  eine Horizonterweiterung ermöglichen.  
Warum also nicht diese Symbole in Filz?
Zumal es sich beim Filzen um die älteste Technik der Textilherstellung handelt.  Archäologen schätzen es auf ein Alter von über 8000 Jahren. Aus der Wolle wilder Tiere schufen unsere Vorfahren durch das Verfilzen zunächst Körperbedeckungen, um sich vor Kälte zu schützen. Andere Techniken, etwa das Weben und Stricken wurde viel später erlernt.

Die großen Teppiche von Ilka, übrigens auch getreue Begleiter auf ihren Märkten, bringen diese Symbiose aus Ornamentik, Stein- und Wollcharakter vortrefflich zum Ausdruck. Der Einsatz verschiedener Wollsorten bewirkt die unterschiedlichen Schrumpfungsgrade, die das Gesamtbild so differenziert nachempfinden lassen.

Das ist nur eine Seite von Ilka Heimbold.
Ihr Ausprobieren und Experimentieren, ihre intensive Beschäftigung mit verschiedensten Aspekten und Herangehensweisen des Filzens, lassen immer wieder interessante Dinge entstehen. Überzeugen Sie sich selbst in dieser facettenreichen Ausstellung, die sehr viel über Ilka selbst erzählt. Jede freie Minute wird genutzt, neben der Produktion der gut verkäuflichen Marktprodukte, sich mit verschiedensten Themen auseinander zu setzen, die sich dann in FILZ wiederspiegeln. Zum Beispiel in ihren harmonischen Arbeiten in Beachtung der Fibonacci-Folge. Benannt nach Leonardo Fibonacci, einer der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters, ist dies eine unendliche Folge von Zahlen, bei der sich die jeweils folgende Zahl durch Addition ihrer beiden vorherigen Zahlen ergibt. Der Quotient zweier aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen nähert sich sogar dem Goldenen Schnitt an, wie Johannes Kepler herausfand. In der Natur finden wir viele Beispiele für diese systematische Anordnung, z.B. weisen eine Menge Pflanzen diese harmonischen, spiralförmigen Reihungen in ihren Blättern oder den Samen der Blütenstände auf.

Hier zeigt sich wieder, wie alles Teil des Ganzen ist und wir mitten darin, als Lebewesen, denen sich Bruchteile der Schöpfungswunder erschließen.

Verweilen wir in der Ausstellung, entdecken wir so weitere Auseinandersetzungen auf geschichtlicher, naturwissenschaftlicher oder literarischer Ebene. Interessant umgesetzt in FILZ, führt uns Ilka auf diese Pfade. "AM ENDE IST ALLES GUT UND WENN ES NOCH NICHT GUT IST, DANN IST ES NOCH NICHT AM ENDE"

Am Ende ist es noch lange nicht – obwohl es sehr gut ist. Neue Ideen und fleißige Kopf- und Handarbeit von Ilka werden uns weiter erfreuen  und begeistern. Ihre Leidenschaft zur Romanik ist es, die sie auf plastischen, dreidimensionalen Wegen weiter führen und uns interessante Objekte präsentieren wird. Ist das Stein? Diese Frage kann man stellen, wenn sich Figürliches und Architektonisches unter die weichen Ausstellungsstücke mischt. Es ist beeindruckend, mit welcher Akribie diese Formungen geschehen.

Und das kontinuierliche Arbeiten wird belohnt.
Die Auseinandersetzung mit der Thematik FILZ … in Bewegung, verschaffte ihr diese Jahr im Februar bis April sogar mit einem Objekt die Teilnahme an der Internationalen Filzkunst Ausstellung in Klein Lengden bei Göttingen. 54 Künstlerinnen aus 14 Ländern wurden aus 251 Bewerbungen aus 20 Ländern durch eine Jury ausgewählt. Mit dabei: Ilka Heimbold. Schaut man sich den dazugehörigen Katalog dieser FILZ Künstlerinnen an, übersteigt dieser in Kreativität, Vielfalt und Umsetzung alle Erwartungen. Und die Ausstellung zieht weiter. Ausstellungsorte in Frankreich, Finnland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden sind in Planung.

Mit diesem hoffnungsvollen Ausblick auf Kommendes können wir unsere anfänglichen melancholischen Sommer-Ende- Gedankensplitter zerstreuen.
Wir wünschen dir, liebe Ilka weiterhin beste Ideen und eine uneingeschränkte Schaffensfreude mit deinen Händen und dem wunderbaren, nachwachsenden Rohstoff Wolle.


Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Kathrin Christoph

Copyright: Kathrin Christoph

 
 
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